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Berliner Segler-Verband (BSV)
e.V.
- Bezirk Tegel
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Das Revier
Das
Revier „Tegel ist der nördlichste der sechs Berliner Verbandsbezirke. Er
umfasst den Oberlauf der Havel von der Spandauer Schleuse (Strom-km 0) bis zum
Niederneuendorfer See an der Stadtgrenze, (Strom- km 10,5) sowie den Tegeler
See, einer 408 ha großen, seenartigen Erweiterung der Havel. Der Tegeler See
erstreckt sich etwa vier Kilometer nach Nordosten, unterbrochen durch viele Inseln.
An
seinem östlichen Ende liegt der 1908 angelegte Tegeler Hafen, der aber
heute keine wirtschaftliche Bedeutung mehr hat. Doch bis zur Teilung der Stadt 1961
galt er als bedeutender Umschlagsplatz im Norden mit eigenem Gleisanschluss.
Heute
ist von alldem nichts mehr zu spüren. Rund um den Hafen wurden im
Rahmen der IBA 1987 attraktive Wohnbauten errichtet. Aus der 1988 stillgelegten
Humboldt-Mühle ist ein Hotel geworden. Das dahinter liegende Fließ-Tal ist
Landschaftsschutzgebiet und lädt zu erholsamen Wanderungen im wunderschönen
Tegeler Forst ein.
Die
Regattasegler sprechen, wenn sie den Tegeler See meinen, von einer
„betauten Wiese, dennoch lassen sich viel beachtete Wettfahrten im Jollen- und
Kielbootbereich durchführen. So fanden hier Deutsche Meisterschaften im 420er, im
Teeny, im Piraten, der Varianta und der 15er und 20er Jollenkreuzer statt. Und
„betaute Wiese ist eine typische Berliner Übertreibung. Der See ist zwischen den
Inseln Lindwerder und Hasselwerder über 10 m tief!
Weitere
Regattaschwerpunkte sind der „Koffer-Cup am 1. Mai, eine Yardstick-
Wettfahrt für Fahrtensegler, die seit 50 Jahren ausgerichtete gemeinsame
Clubwettfahrt der Südufer-Vereine und die „Regatta der Bezirksämter, bei der die
Kommunalpolitiker der Berliner Bezirke beweisen können, wie gut sie voran kommen,
wenn ihnen der Wind ins Gesicht bläst.
Die
etwa 2000 in 21 Vereinen organisierten Segler schätzen allerdings das
geschichtsträchtige Insel reiche Revier wegen seiner vielen geschützten
Ankerbuchten und Durchfahrten mit einer intakten, an Arten reichen Natur. Hier
nisten Graureiher, Haubentaucher und Rohrdommeln neben den üblichen
Wasservögeln, wie Schwänen, Kanadagänsen, Teichhühnern und Enten. Aus dem
weit verbreiteten Röhrichtsaum hört man den Teichrohrsänger und aus dem
Erlenbruch die Nachtigall. Hoch über dem See kreisen Greifvögel, allerdings auch die
regelmäßig landenden und startenden Flugzeuge und Hubschrauber vom nahen
Flughafen Tegel, der daran erinnert, dass man inmitten einer prosperierenden
Großstadt lebt. Sogar ein Seeadlerpaar hat hier seinen Horst und bei Maienwerder ist
der Biber wieder heimisch geworden.
In
den Segelvereinen im Revier werden 388 Jugendliche ausgebildet. So ist der
See einer der größten „Spielplätze Berlins. Es ist immer etwas los und Wanderern
oder Radlern auf den Uferwanderwegen rings um das Revier bietet sich ein ständig
wechselndes Bild.
Die Vereine im Revier
Wer
die Stadt von der Ostsee oder den märkischen Gewässern her kommend
die Stadt an der ehemaligen Grenzübergangsstelle, wo der Havelkanal nach Westen
abzweigt, erreicht, kann getrost in den Niederneuendorfer See einlaufen und vor
Anker ungestört die Ruhe des abgeschiedenen Nordens genießen oder, sofern die
Yacht nicht länger als 6 m ist, bei dem Heiligenseer Segel-Club (HSC, B 016,
Strom-Km 10,5) fest machen, den Mast stellen, denn für die nächsten acht Strom-
Kilometer oder 14 Tage Aufenthalt im Revier stört keine Brücke mehr das
Segelvergnügen.
Man
kann sich aber auch der Gastfreundschaft des ältesten Vereins im Bezirk,
dem Verein Schöckwitzer Segler (VSS, B 001, Strom-km 8,5) anvertrauen. Hier
gibt es auch eine Mastleiter. Die Geschichte des VSS ist auch die Geschichte Berlins:
Schmöckwitz liegt nämlich diametral am südöstlichen Stadtrand, doch die Teilung
der Stadt verhinderte, dass die im Westteil der Stadt lebenden „Schmöckwitzer
ihren Verein nutzen konnten. So suchten sie sich ein neues Domizil, fanden es auf
dem Grundstück eines still gelegten Gaswerkes und nannten sich weiterhin
Schmöckwitzer, weil die Original-Schmöckwitzer in einer der in der DDR üblichen
betrieblichen Sportgemeinschaften aufgingen. Heute gibt es wieder zwei
Schmöckwitzer Segelvereine, einen in Schmöckwitz und den anderen hier in
Heiligensee, die in Eintracht miteinander leben.
Gegenüber,
auf der rechten Uferseite, im Brandenburgischen befindet sich der
Anleger einer Neubausiedlung. Hier verlief früher die Zonengrenze in der Flussmitte.
3,5
km Fluss abwärts, kurz hinter der Autofähre, die den Reinickendorfer
Ortsteil Tegelort mit dem Spandauer Ortsteil Hakenfelde verbindet, liegt linksseitig
der Joersfelder Segel-Club (JSC, B 004, Strom-km 4,5).Der JSC ist Stützpunkt
der Kreuzerabteilung, KA. Hier finden Sie alles, was das Fahrtenseglerherz begehrt,
8 bis 10 Liegeplätze, eine ganzjährig geöffnete Bewirtschaftung, Einkaufsläden in
der
Nähe, Kran- und Slippmöglichkeiten und einen Stellplatz für den Trailer. Nach Tegel
fährt eine Buslinie (ca. 30 Min.), von dort führen S- und U-Bahn in die City. Da der
JSC an einer Bundeswasserstraße liegt, ist aber auch mit Schiffsverkehr und Schwell
zu rechnen. Südlich vom JSC liegt die einzige Wassertankstelle des Reviers:
Nautic
Shop Borchardt, Tel. 030*431 16 98, Fax. 030* 431 00 72. Strom-Kilometer 4,1
Auf
der gegenüber liegenden, der Spandauer Seite, befinden sich die
Wannseeaten 1911 e.V (W 1911, B 007), der Segel-Club Nordstern (SCN,
B
009), der Segel-Club Spandau (SCS, B 012) und die
etwa 1 km weiter Strom
abwärts liegende Wassersportabteilung des Polizeisport-Vereins (PSV/WSA, B
020). Hier gibt es jeweils drei bis vier Liegeplätze. Die vier
Vereine liegen „im Rust,
einer Gartenkolonie, was einerseits wenig Verkehrslärm verspricht, andererseits aber
auch weite Wege (ca. 30 Min Fußweg zum Bus) für den Stadtbummel bedeutet. Den
kann man allerdings sehr empfehlen. Die Spandauer Altstadt (ca. 30 Min. Bus) und
die Zitadelle sind allemal einen Besuch wert. Zwischen dem „Rust, Tegelort und den
Inseln verkehrt eine Personenfähre.
Nun,
bei der Insel Großer Wall muss man sich entscheiden: Verlässt man die
Havel und biegt in den Tegeler See ein, benutzt man den hier nach Südosten
abzweigenden Hohenzollernkanal, der in die innerstädtischen Wasserstraßen,
die
Spree und den Landwehrkanal, und weiter in die Reviere Müggelsee, Dahme
und
Zeuthen führt oder fährt man weiter stromab zur Spandauer Schleuse
Dann muss
man allerdings den Mast legen. Vorher hat man allerdings die Möglichkeit, bei der
Werft Ernst Meyer, Tel. 335 10 11 seinen Fäkalientank entleeren zu lassen
und
Bilgenwasser zu entsorgen. In den letzten Jahren ist hier aus einem Industriegebiet
eine Wasserstadt entstanden, zu deren Anbindung zwei neue Brücken gebaut
wurden. Die letzten 3 km bis zur Spandauer Schleuse, die Mitte Juli 2002 nach langer
Renovierung wieder eröffnet wurde, sind bis auf die Zitadelle und die Krienicke
landschaftlich wenig reizvoll. In der Krienicke liegt der Wassersport-Club Grün-
Silber-Orange, (WGSO, B 021, Strom-km 1,2) der 23 Liegeplätze hat und auf der
Spandauer Seite die Motorboot-Abteilung der Wasserfreunde Spandau 04 (WS 04,
MYVB) mit einigen Liegeplätzen.
Aber
die Havel zu befahren ohne den Tegeler See zu besuchen, wäre eine
falsche Entscheidung. So biegen Sie am Besten bei Tegelort, gleich hinter der
Wassertankstelle nach Osten ab. An Steuerbord liegt die Insel Valentinswerder. Sie
ist Privatbesitz. Der Bauunternehmer Paul Haberkern kaufte sie 1874 und errichtete
eine Laubenkolonie und ein Gasthaus. Hier liegt auch der Segel-Club Frithjof
Haveleck, (SCF-H), der aber wegen der schlechten Verkehrsanbindung für Gäste
wenig geeignet ist. Die Bewohner und Gäste setzte Paul Haberkern mit seinen
eigenen Dampfern von Tegel für 50 Pfg. über, allerdings nur wenn auf dem
Schießplatz, dem heutigen Flughafen Tegel, die Kanonen schwiegen, denn so manche
verirrte Granate landete im Geäst der dicht bewaldeten Inseln. Diese Blindgänger
störten auch auf der Nachbarinsel Scharfenberg den weit gereisten Botaniker
Dr.
Karl Bolle. Er hatte die Insel, wie auch die kleine, heute unbewohnte Insel
Baumwerder, vom Sohn Alexanders von Humboldt erworben, um dort tropisches
Gehölz zu pflanzen. Er verkaufte die Insel an die Gemeinde Reinickendorf. 1921
errichtete der Pädagoge Wilhelm Blumes dort eine „Schulfarm (Internatsschule), die
heute noch existiert und durch die Fernsehserie „Unser Lehrer Dr. Specht bekannt
wurde. An der engen Durchfahrt zum Tegeler See, neben der DLRG-Rettungsstation,
befindet sich eine nicht öffentliche Auto- und eine Personenfähre. (2 km) Nun öffnet
sich der See und gibt den Blick frei auf Alt Tegel und die markanten Baukomplexe
„Tegel-Center und „Herlitz. An Backbord befindet sich das Strandbad Tegel,
eines
der vielen städtischen Freibäder. An Steuerbord liegt die Insel Lindwerder.
Um 1900
trieben hier der Dichter Heinrich Seidel und die Chemiker Ernst Schering und Dr. Emil
Jacobsen ihre Späße, teils zum Leidwesen der Anrainer, die sich oftmals den
nächtlichen Spuk nicht erklären konnten.
Wer
Kurs auf die enge Durchfahrt zwischen der Halbinsel Reiherwerder und
der Insel Hasselwerder hält, gelangt in die Große Malche.
(2 km) Schon bald
leuchtet die im barocken Stile erbaute Villa Borsig durch den alten Baumbestand.
Borsig ließ sich dieses an Sanssouci erinnernde Landhaus 1910 errichten. Heute wird
sie vom Bundesaußenministerium als Schulungs- und Tagungsstätte genutzt und
weiter ausgebaut. Die kleine Bucht ist ein nach allen Seiten gut geschützter
Ankerplatz und mit dem Beiboot erreicht man den Steg des Restaurants „Toulouse.
In der Malche liegen der Club Nautique Français de Tegel (CNFT, B 123), der
Tegeler Segel-Club (TSC, B 002) und die Segler-Vereinigung Tegel (S.V.T.
B
008). Der CNFT ist ein Relikt der „Vier-Mächte-Stadt Berlin.
Als die Franzosen 1945
in Berlin einmarschierten und die Bezirke Reinickendorf und Wedding besetzten,
gründeten sie schon bald einen eigenen Segelverein. Nach der Wiedervereinigung der
Stadt und dem Abzug der alliierten Streitkräfte 1994 wollte man den Verein mit
seinem französischen Flair erhalten, Franzosen gab es noch genug und so gründete
man schon 1991 einen Verein nach deutschem Recht. Die gute Nachbarschaft zum
TSC ist geblieben. Der TSC ist mit seiner 100- jährigen
Geschichte der älteste Verein
am See. Hier und im CNFT gibt es immer Liegeplätze. Eine Mastleiter, einen
Slipp
und einen Kran bis 2 t, eine ganzjährig geöffnete Bewirtschaftung und ein
Gästezimmer sind vorhanden. Von hier aus ist der alte dörfliche Ortskern von Tegel
gut zu Fuß, an der S.V.T. vorbei über die „Sechserbrücke zu
erreichen. Früher
musste man beim Passieren der alten Holzbrücke über den 1901 gebauten Tegeler
Hafen einen „Sechser, d.h. 5 Pfennig Maut bezahlen. Oder man geht durch den Wald
an der „Dicken Marie vorbei. Es ist eine über 100-jährigen Eiche, der ältesten
in
Berlin, mit fünf Metern Stammumfang. Dann kommt man auch vorbei am
„Jagdschlösschen Tegel, einst Wohnsitz der Gebrüder Wilhelm und Alexander von
Humboldt und Ende des 18. Jahrhunderts Refugium des geistigen Lebens in Berlin.
Zwischendurch kann man im „Alten Fritz, der so heißt, weil hier der
junge
Friedrich II auf seinen Reisen nach Rheinsberg im „Neuen Krug Rast gemacht haben
soll, das dort selbst gebraute süffige Bier und einen Imbiss genießen. Tegel selbst ist
eines der vielen Stadtzentren mit zahlreichen Einkaufs- und
Versorgungsmöglichkeiten sowie Gaststätten und Kneipen. Selbst ein
Schiffsausrüster ist hier ansässig: Boots- und Yachtausrüster René
Niebergall, Alt
Tegel 26, Tel. 433 94 78
Von
Tegel aus verkehren S- und U-Bahn sowie Buslinien, am Wochenende die
ganze Nacht hindurch, in die Innenstadt.
Wenn
man - nach ausreichendem Aufenthalt in der Malche - weiter segelt,
gelangt man an der Greenwichpromenade, dem Borsighafen, einst
Industriehafen
für das Schwermaschinenwerk Borsig, heute Hafen des Motor-Yacht-Club Tegel,
MYCT, vorbei, in die geschützte Bucht bei Gänsewerder. Hier liegt die Touren-
Segler-Vereinigung (TSV, B 006).
Am
Südufer des Sees liegen noch die Vereine Yacht-Club Tegel (YCT),
Segel-Club Freia (SCF), Segel-Klub Nixe (SKN) und Segel-Club Odin (SCO). Die
Steganlagen sind aber schlecht vor westlichen bis nördlichen Winden geschützt, so
dass sie sich für Wasserwanderer nicht besonders gut eignen. Aber hier zwischen
dem Saatwinkler Ufer und den Inseln Reiswerder, Baumwerder und Maienwerder
findet man die schönsten Ankerplätze am See.
Nun
wird es wieder enger und der Wind bläst nicht mehr konstant aus einem
Sektor sondern kommt aus den vielen Inseldurchfahrten, abgelenkt durch den hohen
Baumbestand, mit wechselnder Stärke aus ganz unterschiedlicher Richtung. Zu allem
Überfluss schieben sich dann auch noch die großen Dampfer der Stern- und
Kreisschifffahrt, die einem Wal nachempfundene „Mobby Dick oder die einem New
Orleans-Steamer ähnliche „Havel- Queen, langsam durch die Inseln. Hier liegt
„Blumes Hof, einst ein alt eingesessener landwirtschaftlicher Betrieb, aber
schon
zur Jahrhundertwende zum Naherholungs- und Wassersportgebiet umgewandelt. Hier
ist auch eine Segelmacherei beheimatet: und hier liegen die Vereine Wasser-Sport-
Club Siemensstadt (WSCS, B 010) mit 3 Liegeplätzen, die Wassersport-
Vereinigung 1929 (WSV 29, B 015) mit 3 Liegeplätzen und der Saatwinkler
Segelclub Odin (SSCO, B 011). Vom WSV 29 sind es nur wenige Schritte
zur
Segelwerkstatt Beate Thom, Im Saatwinkel 23, Tel. 334 81 21.
Wenn man die letzte schmale Stelle an der „Kleinen
Malche passiert hat, liegt die
Insel Großer Wall und die Brücken über die Havel vor einem oder
die Einfahrt in den
Hohenzollernkanal an Backbord. Hier und in der sich anschließende Kriencke
fand
einst die wohl einzige und zudem nicht ganz ernst gemeinte Schlacht zwischen
Spandau, am rechten Ufer und Berlin, am linken Ufer, statt: Der Kurfürst, Joachim
II, unterstützt von den Spandowern Bürgern und Fischern mit ihren Booten griff die
vorher provozierten Bürger aus Berlin und Cölln an. Es war eine zwar mit allen
Raffinessen und strategischem Geschick geführte Schlacht, bei der aber zum Glück
keine Opfer zu beklagen waren. Und was vormittags als reine Seeschlacht begann,
endete in einer verbissenen Prügelei auf den Wiesen bei Haselhorst. Einen Verlierer
gab es nicht, nur blaue Flecken. Denn bevor sich Schlimmeres entwickelte, ließ der
Kurfürst die Keilerei beenden. Aber das liegt nun schon lange zurück, 437 Jahre.
Wenn
man die Runde über den Tegeler See nicht noch einmal machen will,
obwohl es sich lohnen würde, muss man jetzt wohl oder übel den Mast legen.
Doch
auch die anderen Reviere, die Unterhavel und der Wannsee mit den sich
anschließenden Gewässer um Potsdam im Süden oder die Reviere Müggelsee, Dahme
und Zeuthen mit den Kanälen zum Scharmützelsee im Südosten sind lohnenswerte
Ziele.
Peter Reckmann
(ehemaliger Bezirksvorsitzender)